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Resilienz – Wie wir Krisen nicht nur überstehen, sondern daran wachsen

Es gibt Zeiten, in denen das Leben uns ordentlich durchschüttelt. Sei es eine Trennung, ein Jobverlust, Krankheit oder andere Herausforderungen – manchmal fühlt es sich an, als würde der Boden unter den Füßen schwanken. Gerade in solchen Momenten taucht ein Begriff immer wieder auf: Resilienz. Aber was ist das eigentlich? Und wie kann sie uns als dienliche Ressource zur Verfügung stehen?

 

Was ist Resilienz überhaupt?

Resilienz ist so etwas wie unser seelisches Immunsystem. Sie beschreibt die Fähigkeit, schwierige Lebensphasen zu meistern und gestärkt daraus hervorzugehen. Dabei geht es nicht darum, immer „stark“ zu sein oder Probleme wegzulächeln. Vielmehr geht es darum, sich den eigenen Gefühlen zu stellen, Rückschläge anzunehmen und trotzdem zuversichtlich nach vorne zu schauen.

 

Komplexität anerkennen – und reduzieren

Das Leben ist selten schwarz-weiß. Gerade wenn wir aus der Bahn geworfen werden, neigen wir dazu, alles auf einmal lösen zu wollen. Doch Resilienz bedeutet auch, Komplexität zu reduzieren und sich auf das zu konzentrieren, was gerade wirklich wichtig ist. Es ist okay, nicht sofort für alles eine Lösung zu haben. Manchmal reicht es, Schritt für Schritt vorzugehen und sich kleine, erreichbare Ziele zu setzen.

 

Erwartungen hinterfragen

Ein häufiger Stolperstein auf dem Weg zu mehr Resilienz sind die eigenen (und fremden) Erwartungen. „Du musst jetzt stark sein!“, „Das wird schon wieder!“ – solche Sätze helfen selten weiter und bedeuten vor allem eins, nicht zu fühlen, sondern sofort zu lösen. Gefühle, die nicht gefühlt werden, kommen uns unkontrolliert und häufig sehr unpassend mit einer Wucht besuchen, von der wir nicht wissen, wo diese auf einmal herkommen. Scheinbare Auslöser wollen nämlich nicht zur Reaktion passen. Die gute Nachricht ist, dass ALLE Emotionen in der Regel nach 90 Sekunden abebben. Es macht also gar keinen Sinn, soviel Kraft für das Nichtfühlen aufzuwenden. Resilienz heißt nicht, immer zu funktionieren, sondern auch, sich Pausen zu gönnen und die eigenen Gefühle und Bedürfnisse ernst zu nehmen.

 

Sensibilität für sich selbst entwickeln

Wenn das Leben uns fordert, vergessen wir oft, gut zu uns selbst zu sein. Kleine Rituale, bewusste Auszeiten und ein liebevoller Umgang mit den eigenen Gefühlen helfen, wieder Boden unter den Füßen zu gewinnen. Es ist in Ordnung, sich Unterstützung zu holen – sei es im Freundeskreis, bei der Familie oder durch professionelle Begleitung. Niemand muss alles alleine schaffen und letztlich sind wir Menschen auch nicht dafür gemacht, das Leben allein zu wuppen.

 

Vorbilder

Manchmal ist es durchaus unterstützend, Vorbilder in seinem Leben zu haben. Ich meine solche Vorbilder, von denen man weiß, dass sie das eine oder andere Tal der Tränen durchlaufen haben und zeigen, wie es geht, das Leben mit und nach dem Tal. Das können Familienmitglieder, Nachbar:innen, Freund:innen, Kolleg:innen usw. sein.

 

Rückblick und Ausblick

Krisen sind nicht das Ende, sondern oft der Anfang von etwas Neuem. Wer zurückblickt, erkennt meist: Da war schon mal eine schwierige Phase, und irgendwie bin ich auch da wieder aufgestanden. Resilienz wächst mit jeder gemeisterten Herausforderung. Und manchmal reicht es, sich das bewusst zu machen: „Ich habe schon so viel geschafft – ich schaffe auch das!“

 

Zu guter Letzt

Resilienz ist kein Zustand, sondern ein Prozess. Sie wächst, wenn wir uns erlauben, menschlich zu sein – mit allen Höhen und Tiefen. Wenn Sie das Gefühl haben, auf der Stelle zu treten oder sich Unterstützung zu wünschen, dann holen Sie sich diese. Niemand muss alles allein stemmen, und manchmal ist ein gemeinsamer Blick auf die eigene Situation der erste Schritt zu mehr Trittfestigkeit.

Wenn Sie sich gerade in einer herausfordernden Lebensphase befinden und das Gefühl haben, allein nicht weiterzukommen, melden Sie sich gerne für ein unverbindliches Erstgespräch.